Analogberechnung bei der PAR-Therapie

Warum können wir die Analogberechnung für PKV-Patienten nicht ignorieren?

Wenn wir die Privatpatient:innen genauso behandeln wie die Kassenpatient:innen entsprechend der S3-Leitlinie können wir die Analogberechnung nicht umschiffen. Warum?

  • Wir wollen Privatpatient:innen nicht schlechter stellen im Behandlungsablauf als GKV-Patient:innen.
  • Die BEMA-Positionen finden wir größtenteils nicht in der GOZ.
  • Wählen wir GOZ-Positionen, die nicht dem Leistungsinhalt der BEMA-Positionen entsprechen, sind diese deutlich schlechter honoriert.

Welche Positionen haben wir im Blick?

Die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO) hat im Oktober 2022 eine Stellungnahme veröffentlicht, die vier Leistungsinhalte der S3-Leitlinie wissenschaftlich in Verbindung mit der GOZ setzt und erklärt, warum diese analog berechnet werden sollten. 

Die Stellungnahme findest Du hier: https://dgparo.de/wp-content/uploads/2022/11/221115_Stellungnahme_DG_PARO_Vorstand_Behandlung_Parodontitis.pdf

Ich fasse Dir die Ergebnisse übersichtlich zusammen.

Analogberechnung Parodontalstatus

Der Status nach GOZ-Nummer 4000 stellt eine Momentaufnahme der Taschentiefen und Rezessionen dar.

Gemäß der S3-Leitlinie geht der Parodontalstatus weiter. Hier wird zusätzlich erfasst: Daten zu Staging und Grading, Verlust an klinischem Attachment, Wechselwirkungen mit anderen Erkrankungen und Risikofaktoren. Es wird eine Einschätzung der Prognose getroffen und notwendige Therapiemaßnahmen festgelegt.

Analogberechnung ATG

Eine Position, die eine wissenschaftlich fundierte, erkrankungsspezifische Beratung im Hinblick auf Wechselwirkungen der parodontalen Erkrankung mit anderen Erkrankungen, Risikofaktoren und Lebensgewohnheiten sowie über die erforderliche Therapie beinhaltet, existierte bei Inkrafttreten der GOZ nicht.

Analogberechnung MHU

Die GOZ-Nummern 1000 und 1010 beziehen sich auf Erklärung von Zahnreinigungsmaßnahmen und deren Kontrolle nach vorangegangener Demonstration. Die neue Mundhygieneunterweisung ist eine gesamtgesundheitliche Überprüfung und Beeinflussung des Patienten im Hinblick auf die praktizierte Mundhygiene, die Beseitigung von allgemeinen Risikofaktoren und die Berücksichtigung mit anderen Erkrankungen.

Diese drei Positionen spricht die DG PARO in ihrer Stellungnahme an. Ich möchte noch weitere Positionen im Rahmen der UPT-Behandlungen beleuchten.

Analogberechnung BEVa/b

Die Leistungsinhalte der BEVa/b Relationierung des Knochenabbaus zum Alter des Patienten, die Auswertung der Befunddaten mit dem Status zu Beginn der Behandlung, die Aufklärung über den Nutzen der UPTs und die Besprechung der weiteren Behandlungsstrategie finden sich nicht in der GOZ-Nummer 4000 wieder. Zudem würden wir erst bei Faktor 4,26 das BEMA-Honorar erreichen.

Analogberechnung UPTa und UPTb

In der S3-Leitlinie wird zunächst der Status erhoben und anschließend findet die Mundhygieneuaufklärung statt. Die GOZ-Nummern 1000 und 1010 stimmen vom Leistungsinhalt damit nicht überein.

Analogberechnung UPTe und f

Berechnen wir die UPTc in der GOZ nach der Nummer 1040 ist eine Abrechnung der 4070 und 4075 in derselben Sitzung ausgeschlossen. Im Kommentar der Bundeszahnärztekammer finden wir bei der 1040 folgende Aussgae: „Die subgingivale Belagentfernung im Sinne einer PZR, z. B. im Rahmen einer parodontalen Nachsorge, ist von dieser Nummer nicht umfasst und muss daher analog berechnet werden.“ Also sollten wir auch hier auf die Analogberechnung zurückgreifen.

Analogberechnung UPTg

Hier greift ebenfalls die Argumentation der BEVa/b. Die GOZ-Nummer 4000 beinhaltet nicht alle Leistungsbestandteile der UPTg, so dass wir auf die Analogberechnung zurückgreifen sollten. 

Wie erkläre ich das dem Patienten? 

Kommunikation ist jetzt ganz wichtig. Wir müssen mit beiden Händen in unsere Schatzkiste greifen. Vor der Behandlung sollte der Patient ausführlich über die Analogberechnung aufgeklärt werden, damit hinterher die Beschwerden minimal ausfallen.

Starten wir mit Fragen. Ich liebe Fragen.

„Wollen Sie bei der Behandlung der Parodontitis nach dem aktuellen wissenschaftlichen Standard behandelt werden? Hiernach werden derzeit die Kassenpatienten behandelt. Wollen Sie das auch?“ Mit Sicherheit wünscht sich ein Privatpatient auch eine Behandlung nach aktuellem wissenschaftlichen Standard und wird mit Ja antworten.

Anschließend können wir die Analogberechnung in kurzen Sätzen erklären.

„Das kann ich verstehen. Ich möchte auch nach aktuellem Standard behandelt werden. Die neue S3-Leitlinie für die Behandlung von Parodontits wurde im Juli 2021 auf den Weg gebracht. Die Gebührenordnung für Kassenpatienten wurde daraufhin angepasst. Die Gebührenordnung für alle Privatpatienten jedoch wurde seit 2012 nicht mehr angepasst. Die Leistungsinhalte der neuen PAR-Therapie gibt es daher nicht in der GOZ. Damit Sie nicht auf die neuen Leistungen verzichten müssen, bietet die Gebührenordnung eine Lösung: die neuen Leistungen werden analog berechnet.“

ACHTUNG! Jetzt kommt ein mega Tipp vom Abrechnungsfuchs. Sandra Rauh hatte eine brillante Idee und ich darf diese mit Euch teilen.

„Die Leistungen erkennen Sie auf der Rechnung an dem kleinen a. A wie alleine. Diese Leistungen müssen Sie alleine zahlen.“

Ich habe gute Erfahrungen gemacht mit diesen drei zusätzlichen Sätzen.

„Reichen Sie den Kostenvoranschlag und die Rechnung trotzdem bei Ihrer Versicherung ein. Vielleicht kommt Ihnen Ihre Versicherung entgegen. Fragen Sie gerne auch Ihren Versicherungsmakler wegen Ihrer Versicherungskonditionen um Rat.“ 

Die Verantwortung für versicherungsrechtliche Fragestellungen liegt nicht bei uns. Sie liegt beim Patienten, seinem Versicherungsmakler und der Versicherung. Schieben wir die Verantwortung also auch dahin, wo sie hingehört. Wenn wir dem Patienten vorher bewusst machen, dass er Analogleistungen alleine zahlen wird, freut er sich, wenn seine Versicherung zumindest anteilig Kosten übernimmt. Als Sandra mir von ihrem Tipp erzählte, war mein erster Gedanke als Erklärbär „Aber Stopp ich muss dem Patienten doch detailliert erklären, was § 6 Abs. 1 GOZ bedeutet und was da alles drin steht.“ Das macht jedoch alles komplizierter. Ich liebe Paragraphen. Doch diese Leidenschaft teilen nur wenige Menschen mit mir. Auf einen Paragraphen-Liebhaber unter den Patienten zu treffen, ist unwahrscheinlich. Und wenn ich doch so einen vor mir sitzen haben sollte, kann ich das Thema ja vertiefen.

Wir kennen alle die Texte der Versicherungen, wenn sie Analogleistungen beanstanden. Selbst die besten Antwortschreiben aus der Sicht der Praxis, bewegen so manche Versicherung nicht dazu Analogleistungen zu übernehmen. Der Patient zahlt am Ende tatsächlich oft alleine. Leider.

Doch gehen wir diesem Konflikt aus dem Weg und bieten dem Patienten keine Analogleistungen an, sind sowohl der Patient als auch wir die Verlierer. Nur die Versicherungen gehen als Gewinner hervor, weil sie sich nicht mit berechtigten Analogleistungen auseinander setzen müssen. 

Die Behandlung des Patienten auf aktuellem Stand der Wissenschaft sollte im Vordergrund stehen. Seit 2012 haben sich die Behandlungsmöglichkeiten nicht nur im Bereich PAR, sondern auch in allen anderen Bereichen weiterentwickelt. Diese Weiterentwicklung, die nicht in der GOZ von 2012 enthalten ist, lässt sich nur über Analogleistungen abrechnen.

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